meinestadt.de gesellt sich längst zu den großen Portalen. Dahinter steht die Familie Stegger. Sie träumte - anders als junge Dot.com-Unternehmer - nie vom Börsengang.
Auf der Online-Marketing-Messe OMD war ihr Stand beinahe so groß wie der von AOL oder Google. Dabei ist die allesklar.com AG, die hinter dem Portal meinestadt.de steht, ein Familienbetrieb. Vorstandschef Manfred Stegger hat seine Frau Annette für Kommunikation und Marketing an der Seite und für den Vertrieb der Verzeichniseinträge sorgt Bruder Joachim, der aus der Touristikbranche kommt. Ja selbst Philipp, eines von drei Kindern, half bis vor kurzem beim Verkauf von Werbung, bis er wieder in die USA zum Studieren ging.
Ein Patriarch, wie man meinen könnte, ist Manfred Stegger dennoch nicht, sagen seine Mitarbeiter. "Aber er wirft gerne ein Auge auf alles, was in seiner Firma läuft", räumt seine Frau ein. Und allesklar.com ist inzwischen groß - 150 Mitarbeiter, die mehr als zehn Millionen Euro Umsatz erwirtschaften.
Dabei ist der promovierte Volkswirt mit Jahrgang 1951 eigentlich kein gelernter Unternehmer. Bis 1999 war er einer der Geschäftsführer der Friedrich-Ebert-Stiftung. Da war der Verzeichnisdienst allesklar.de bereits drei Jahre im Web. Doch in jenem Boom-Jahr infizierte ihn das Internet-Virus vollends. Er entschloss sich letztlich "gegen einen Rentenvertrag bei der Stiftung". Das Ergebnis ist "eine mords Energieleistung", wie seine SPD-Parteifreunde aus Bad Honnef lobend anerkennen. Dort saß Manfred Stegger jahrelang im Ortsvorstand. Seine Frau Annette übernahm inzwischen die politische Rolle und gilt als sehr engagierte und sozial kompetente Person.
Die Historie erklärt, warum die Familie trotz mehrerer Angebote nie an einen Verkauf dachte - auch nicht, als die Dot.com-Krise das Unternehmen voll erwischte. "Wir hatten nie Fremdkapital und mussten somit immer profitabel arbeiten", sagt Annette Stegger. Auch ein Börsengang war nie ein Thema. Erst Anfang dieses Jahres übernahm Holtzbrinck einen Minderheitsanteil.
Das frische Geld half, erstmals eine breite TV-Kampagne zu finanzieren. Seit Anfang September ist ein Spot on air, für den die gelernte Journalistin (Bonner General Anzeiger) verantwortlich ist. "Die Zeit war reif", sagt Annette Stegger. Schließlich gelte es, Platz elf unter den deutschen Portalen auch langfristig zu verteidigen.